Das O auf der Rittersbrücke – eine Überraschung mitten im Alltag
„Es ist der Rahmen, der Dich zum Sehen zwingt." – Frei nach Max Frisch
H A L L O steht mitten auf der Rittersbrücke in übergroßen Buchstaben. Ich gehe auf das „O" zu. Die Buchstabenskulptur scheint aus reflektierenden Stahloberflächen, Glas und Spiegeln zu bestehen.
Eigentlich erwarte ich, beim Durchschauen durch den Bauch des O einen gerahmten Ausschnitt der mittelalterlichen Stadtkulisse zu sehen. Doch als ich davorstehe, sage ich spontan „OH!" – nicht weil ich den Vokal laut lesen will, sondern weil meine Weltsicht auf das Schönste ent-täuscht wird. Meine Erwartung entpuppt sich als Täuschung.
Beim Durchschauen ist nämlich nicht nur die Stadtkulisse zu sehen – man sieht die Stadt und sich selbst, gleichzeitig gespiegelt und durchsichtig. Zwei Wirklichkeiten in einem Rahmen: die Welt rund um einen und die eigene Gestalt mittendrin.
Ich fand es grandios: Mitten im Alltag, auf dem Weg zur Arbeit, stoße ich auf eine der existenziellen Grundfragen – Was ist Wirklichkeit? Was zeigen uns unsere Sinne, das wir als wirklich annehmen?
Deine Rahmungen kennen – und mit ihnen experimentieren
So bist Du in der Welt, nur ohne Spiegelglas. Du schaust durch Deinen Rahmen – Deiner Kindheitsprägung, Deiner Erinnerung, Deiner Erwartung – und hältst, was Du siehst, für die Wirklichkeit selbst. Dabei zeigt Dir der Rahmen nie die ganze Welt. Er zeigt Dir nur Deine Version davon.
Es geht nicht darum, was Du siehst oder nicht wahrnimmst, sondern darum, Dir Deiner Rahmen bewusst zu werden. Denn feststeht: Du entscheidest, durch welche Rahmen Du schaust. Du entscheidest, welche Wirklichkeit Du für wahr hältst.
Das Extra: Lade ich Dich ein, mit Deinem Rahmen zu experimentieren. Wechsle für 10 Minuten die Brille des Rechthabens und ersetze sie durch den Satz: „Ich kann mich auch irren, da könntest Du recht haben." Was passiert? Beobachte Dich. Beobachte die andere Person.
Gunter König
Dipl.-Psychologe · Supervisor · Coach · Schwäbisch Hall
Persönlich mit Gunter König sprechen?
Ich freue mich auf Begegnungen. Gerne plaudere ich bei einer Tasse Tee mit Ihnen.